„Ich bin schon lange ein Papagei“ – und zehn weitere Zitate von und über RKI-Chef Wieler (2024)

Rücktritt am 1. April

„Ich bin schon lange ein Papagei“ – und zehn weitere Zitate von und über RKI-Chef Wieler

„Ich bin schon lange ein Papagei“ – und zehn weitere Zitate von und über RKI-Chef Wieler (1)

Lothar Wieler verlässt nach acht Jahren das Robert Koch-Institut.

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Lothar Wieler verlässt auf eigenen Wunsch das Robert Koch-Institut. Er war eine der wichtigsten Figuren der Corona-Pandemie– und hat die Krise und den Umgang mit ihr entscheidend geprägt. Ein Pandemierückblick in Zitaten.

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Laura Beigel

Er war einer der führenden Corona-Erklärer während der Pandemie. Am 1. April legt Lothar Wieler nun sein Amt als Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI) nieder. Das teilte die Behörde am Mittwoch mit. Kaum eine Bundespressekonferenz zur Infektionslage hatte in den vergangenen drei Jahren stattgefunden, in der er nicht neben dem jeweiligen Gesundheitsminister saß – in Anzug, mit Krawatte und Brille. Wieler lobte, warnte, appellierte und vor allem – erklärte. Das brachte ihm Anerkennung, aber nicht selten auch Kritik ein.

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Ein Rückblick in Zitaten:

Die Pandemie zeichnet sich ab

Wir sind auf einer Schwelle, wo wir nach wie vor die Hoffnung haben, dass es sich nicht zu einer Pandemie entwickeln wird, aber wir können das nicht ausschließen.

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In der chinesischen Provinz Hubei infizieren sich immer mehr Menschen mit dem Coronavirus, auch Deutschland meldet erste Fälle. Das RKI schlussfolgert aus dieser Entwicklung, dass sich der Erreger weltweit ausbreiten könnte im Sinne einer Pandemie. Ausschließen will Wieler dieses Szenario zum damaligen Zeitpunkt nicht. In Deutschland sei man momentan in der Lage, das Virus einzudämmen, erklärt er. Das sollte sich jedoch bald ändern.

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Kliniken in Deutschland geraten an ihr Limit

Wir müssen noch ein paar Monate die Pobacken zusammenkneifen.

Nun hat sich auch die Corona-Lage in Deutschland verschärft. Die Bundesregierung reagiert mit einem Teil-Lockdown, in der Hoffnung, dass sich so das Infektionsgeschehen ausbremsen lässt. Noch zeichnet sich in den Fallzahlen aber keine Trendwende ab. Wieler mahnt, weiter durchzuhalten, Masken zu tragen, Abstand zu halten, Räume regelmäßig zu lüften. Besonders die Lage in den Kliniken alarmiert ihn: Es gibt mehr Fälle auf den Intensivstationen, Personal infiziert sich und fällt aus. Der RKI-Chef warnt vor Engpässen in der Versorgung.

Eine Pandemie wie ein Luftballon

Die Pandemie ist wie ein prall gefüllter Luftballon, den wir gemeinsam unter Wasser halten.

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Wie erklärt man den Menschen eine Pandemie am besten? Viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind dazu übergangen, Vergleiche und Metaphern zu nutzen. Autos, Tanker, oder in diesem Fall Luftballons – alles erlaubt, solange es dabei hilft, komplexe Sachverhalte einfach darzustellen. Was Wieler hier ausdrücken will: Die Pandemie muss kontrolliert ablaufen, indem alle gemeinsam dafür sorgen, dass sich das Coronavirus nicht so stark verbreiten kann. Der Luftballon dürfe nicht unkontrolliert hochschießen, so der RKI-Chef weiter.

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Kommentar zu VirusvariantenNeue Variante auch aus den USA: Warum gutes Monitoring sinnvoller ist als Tests für Einreisende

Wissenschaftler und der Hass

Ich wünschte, die Lage wäre angenehmer, aber ich bekomme immer noch Drohungen.

Maskenpflicht, Schulschließungen, Lockdown: Viele Menschen machen Wieler für diese Corona-Maßnahmen persönlich verantwortlich. Er erhält Drohungen, sogar Morddrohungen – genauso wie andere Expertinnen und Experten, die versuchen, aufzuklären. Doch der RKI-Chef lässt sich davon nicht unterkriegen: „Solange ich Beamter dieses Staates bin, werde ich ihm verantwortungsvoll dienen.“

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Das Maß ist voll

Ich kann nach 21Monaten es auch schlichtweg nicht mehr ertragen, dass es nicht vielleicht erkannt wird, was ich unter anderem sage und auch viele andere Kolleginnen und Kollegen!

Wenn Wieler vor der Hauptstadtpresse die neuesten Corona-Fallzahlen einordnet, ist er äußerlich stets ruhig, argumentiert sachlich, ohne dabei viele Emotionen zu zeigen. Doch es gibt auch Momente, in denen sich Frust Bahn bricht. „Ich bin schon lange ein Papagei“, sagt er einmal. Seine Warnungen und Appelle, das weiß er selbst, finden nicht bei allen Menschen Gehör. Im Gegenteil: Sie werden zum Teil falsch interpretiert, von Corona-Leugnern sogar instrumentalisiert. Ein Schicksal, das er mit Kolleginnen und Kollegen teilt.

Maskenpflicht im Fernverkehr könnte früher abgeschafft werden
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Kippt der Bund die Maskenpflicht auch im ICE, IC oder Flixbus früher als geplant? Die FDP macht Druck– Gesundheitsminister Lauterbach schließt es nicht aus.

Quelle: dpa

Krach zwischen RKI und Bundesgesundheitsministerium

Sonst säße er hier nicht.

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Die Stimmung zwischen dem RKI und dem Bundesgesundheitsministerium ist in den vergangenen Jahren nicht immer rosig gewesen. Als das RKI vor einem Bund-Länder-Gipfel im Dezember 2021 beispielsweise ein Strategiepapier veröffentlicht, in dem es unter anderem „maximale Kontaktbeschränkungen“ und „maximale Maßnahmen zum Infektionsschutz“ fordert, stößt das bei Minister Lauterbach sauer auf. Dennoch sagt Lauterbach, als er bei einer Pressekonferenz kurze Zeit später gefragt wird, ob er noch zu Wieler stehe: „Sonst säße er nicht hier.“

FDP rückt von Wieler ab

Des Vertrauens der FDP kann sich Herr Wieler aber aufgrund dieser neuerlichen Verfehlung, die ja leider keinen Einzelfall darstellt, nicht mehr sicher sein.

Auch die FDP hadert zwischenzeitlich mit dem RKI-Chef. Kritikpunkt ist die Verkürzung des Genesenenstatus von sechs auf drei Monate, die die Behörde Mitte Januar vergangenen Jahres überraschend bekannt gegeben hatte. Der Generalsekretär der Partei, Bijan Djir-Sarai, bemängelt damals vor allem die Kommunikation der Behörde. „Für mich ist entscheidend, dass wir gut zusammenarbeiten“, entgegnet wiederum Minister Lauterbach auf die Kritik und macht deutlich: „Herr Wieler hat mein volles Vertrauen.“

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Ab der Stadtgrenze gilt die Maskenpflicht: eine Zugfahrt zwischen Lübeck und Hamburg

Eine der letzten Corona-Maßnahmen ist in Schleswig-Holstein an Neujahr gefallen: die Maskenpflicht im Nahverkehr. Im Nachbarland gilt sie noch. Wir haben Reisende zwischen Lübeck und Hamburg befragt.

Corona bleibt

Das Virus wird uns nie wieder verlassen.

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Längst ist für den RKI-Chef klar, dass das Coronavirus nicht wieder aus Deutschland verschwinden wird – trotz zunehmender Immunität durch Impfungen und Infektionen. Eine Herdenimmunität, also eine Art Gemeinschaftsschutz, wird es nicht geben. Aber irgendwann werde die Krankheitslast des Virus so gering sein, dass es ein Krankheitserreger wie jeder andere sei, ist Wieler überzeugt. Corona wird also endemisch. Einige Fachleute, darunter der Berliner Virologe Christian Drosten, sind sicher, dass dieser Zustand mittlerweile erreicht ist.

Nach acht Jahren ist Schluss

Es war ein Privileg, in dieser Krise an exponierter Position zusammen mit einem motivierten Team hervorragender Expertinnen und Experten arbeiten zu dürfen.

Seit 2015 leitet Wieler das Robert Koch-Institut. Sein Rücktritt kommt überraschend – und wird in Regierungskreisen bereits als Zeichen der Erschöpfung nach drei anstrengenden Krisenjahren gewertet. Zu den genauen Gründen äußert sich die Behörde nicht. Kommissarisch soll nun sein Vize Lars Schaade, der Wieler des Öfteren auch schon bei der Bundespressekonferenz vertreten hatte, das RKI leiten. Wieler selbst will nach eigenen Angaben nun eine neue Aufgabe in „Forschung und Lehre“ übernehmen.

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Worte zum Abschied

Ohne ihn wäre alles noch sehr viel schwerer gewesen.

Gesundheitsminister Lauterbach ist einer der Ersten, der auf den Rücktritt des RKI-Chefs reagiert und ihm für seine Leistungen während der Pandemie dankt. Danksagungen kommen auch von anderen Wissenschaftlerinnen und Medizinern: „Ich bin dankbar, dass das RKI während der Pandemie für uns stets ein verlässlicher Ansprechpartner für Praxisfragen war, wenn wir mal nicht weiterwussten“, twittert etwa Lungenfacharzt Cihan Çelik. „Danke für Dein Durchhalten, Dein ImWindStehen, Dagegenhalten, Mutigsein“, schreibt Psychologin Cornelia Betsch. „Du hast wesentlichen Anteil dass Deutschland gut durch die Pandemie gekommen ist“, pflichtet Intensivmediziner Christian Karagiannidis bei.

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Author: Chrissy Homenick

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